Schabby's Blog
Reserve Orbital Defence Commander

Wie Ihr ja alle wisst, bin ich eine Streberleiche. Oder auch Geek, wie man es euphemistisch formuliert. Denn ich gehe in der Regel zu 8:00 Vorlesungen.

Das war nicht immer so, aber seid dem ich der einzige Blonde unter Millionen bin falle ich auch auf wenn ich nicht da bin. Also rolle ich morgens aus dem Bett in Richtung Hörsaal. Zum Glück bin ich bin aber nicht der einzige Geek hierzulande. Neben mir sitzen 1000 Chinesen und 3 Deutsche. Jan, Jalda und Ralf. Es können auch mehr gewesen sein, aber das ist meinem übernächtigten Tunnelblick entgangen. In diesem Semester habe ich drei Vorlesungen um 8:00. Und zwar jeweils Operating Systems. Um dem Studentenschwund vorzubeugen wurden heute eine Namensliste eingeführt, mit Hilfe derer alle in der Pause noch nicht erschienenen Studenten ermittelt werden. Wenn man 1/3 der Vorlesungen verpasst, wird man nicht zur Klausur zugelassen. Mit dieser 1/3 Regel kenne ich mich gut aus. Denn als ich noch in den Kindergarten ging, musste man 1/3 seiner Kohlrabikotze essen, da man sonst im Zwergenhaus spielen musste - der Isolationshaft unserer Einheit, da dort nur Holzkloetzchen und Strickpuppen zum Zeitvertreib bereitstanden. Unsere Namen wurden aber nicht aufgerufen, da wir eigentlich immer da sind und ausserdem fast die eizigen sind, die auf die Fragen des Professors antworten. Wenn auch in meinem Fall nicht immer richtig.

Der Operating Systems Kurs gefällt mir sehr gut. Der Prof. ist gut, das Buch ist gut und die Hausaufgaben machen Spass. Wenn die Vorlesungen blos nicht so früh morgens wären...

Unsere Chinesischen Klassenkameraden haben deutlich mehr Stunden als wir im Semester und dem entsprechend konvergiert ihre Freizeit exponentiell gegen Null. In vielen Fällen sogar gegen minus Unendlich. Man hat in der Regel den ganzen Vormittag Unterricht um 10 bis 12 Kurse abzuhalten. Dann kommen Hausaufgaben und Projekte dazu. Das Erlenen einer Fremdsprache, das in China als Karrieremuss gilt wird von der verbleibenden Freizeit abgeknapst. In einem mir bekannten Fall sind das fuer Deutsch an Wochentag von 18:00 bis 20:00 zwei Stunden. Zusätlich sollte man sich in sog. Associtations engagieren um seinen Punktstand aufzubessern. Associations sind Vereine die meist sportliche Aktivitäten betreiben. Aber auch ein paar musischer Natur sind zu finden. In das Punktesystem fliessen Kopfnoten, Zimmer aufgeraeumt, Zimmer nett dekoriert, ausserordentliche Aktivitaeten (Partei) oder soziale Projekte usw. ein.

Die hohe Stundenzahl kommt auch daher im Fach Informatik zustande, da die Jiao Tong Universität eine elite Uni in China ist. Wer hier Computer Science studiert hat, darf sich in China zur Creme de la Creme zählen. Es soll also nicht der Anschein erweckt werden, unsere Chinesischen Komilitonen würden ihre Laufbahn als Gängelung empfinden. Für viele wie auch für uns ist es ein Privileg an dieser Uni zu sein wir gehen daher mit entsprechender Motivation an an die Kurse ran, auch wenn der Geist morgens um 8:00 williger ist als der rare Fleisch.

Wer da noch an Hausaufgaben denkt ist entweder ein Genie oder Austauschstudent mit nur fuenf Kursen so wie wir. Klaro, dass unsere chinesischen Klassenkameraden bis spät in die Nacht Hausaufgaben machen und Bücher lesen und dann am nächsten Tag keinen Bleistift mehr halten können wärend sie ihr Frühstück (ein eigener Blogbeitrag wert) futtern. Jeder sog. "Gammelstudent" bei uns in Deutschland würde beim Anblick dieser Arbeitsmoral Bindehautentzündung bekommen.

Manchmal müssen wir Deutschen (TU-Berliner und Furtwanger) aber auch mal schön Pause machen. Z.B. wenn der Prof. gerade einen komplizierten Begriff nochmal auf Chinesisch erklärt oder eine reguläre Pause stattfindet (jede Stunde). Dann bleibt uns nichts anderes übrig als vorbildlich Freizeitgestaltung im kleinen Zeitrahmen zu demonstrieren. Dann machen Andreas und ich Spässecken mit dem Selbstauslöser, oder falten Papierschwäne nach Bastelanleitungen aus Computer Science Overview Büchern (siehe unten). Ralf bildetet sich interdisziplinär fort (oben) und Mathias und Pascal "arbeiten" am Computer.


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