Schabby's Blog
Reserve Orbital Defence Commander

Als bekennender, fundamentalistischer Heide wurde ich heute mit einer grossen Herausforderung konfrontiert. Wir gingen in den Lama Tempel. Das war semi grosses Kino. Ich erwartete bespuckt zu werden. Nicht nur wegen meiner religioesen Grundeinstellung sondern auch von den Lamas. Dort angekommen musste ich dennoch feststellen, dass es sich um ein ungluecklickes Missverstaendnis handelt. Gemeint war Dalai Lama. Ich machte wie ueblich 256 mega byte Fotos.

Wir hatten ein Stativ fuer den Fotoapparat mitgenommen, sodass ich eine voellig neue Dimension des Fotosmachen im Feldversuch testen konnte: Selbstausloeser. Man stellt die Kamera irgendwo hin, drueckt auf "Selbstausloeser" und rennt weg. KLICK, ein 100% scharfes Foto. Soweit die Theorie.
In der Praxis ist dieses Verfahren jedoch kaum anwendbar. Man stellt die Kamera auf, drueckt auf Selbstausloeser, rennt weg und einer von 93.418 chinesischen Touristen stellt sich davor. KLICK! Wieder einen Hintern fotographiert. Die Kunst ist es nun daher, die Kamera an Orten aufzustellen, die fuer chinesiche Touristen unerreichbar sind. Z.B. alle Plaetze die hoeher sind als 1,6 Meter. Oder auf kleinere Huegel auf die keine Rolltreppe faehrt. Ein paar meiner besten Fotos sind so entstanden.

Es wurde wieder viel renoviert und um die alte Kunst auch fernen Generationen originalgetreu zu erhalten, uebte man sich auch hier in der archaischen Kunst des Stahlbetongiessens. Beeindruckend war eine sehr grosse Buddhastatue, die aus einem einzigen Baum geschnitzt wurde, wie eine goldene Guiness' Buch der Rekorde-Plakette an der Hauswand verriet. Die Athmosphaere war bisweilen andaechtig und ruhig, was auch daran lag, dass kein ueberteuerter Ice Tea in den heiligen Hallen verkauft werden darf.

Auf dm Weg zurueck zum Hotel machten wir Pause in einem Eiscafe. Wie auch in vielen anderen chinesischen Laeden gab es in diesem Restaurant dreimal so viel Personal wie Kunden. Als Auslaender kann es sein, dass man dann auch den dreifachen Service bekommt. Die erste Dame haelt die Speisekarte, die zweite liest daraus vor, die dritte emfielt die Specials, die vierte fragt aus welchem Land man komme und die fuenfte haelt schonmal die Rechnung hin, bevor man eigentlich bestellt hat.

So war es aber leider in unserem Fall nicht. Der Laden war zwar ueberbesetzt mit Personal aber wirklich bedienen wollte uns erst niemand. Ich bestellte eine Cola und einen Schokoshake. Ich beobachtete die Dame die den Schokoshake machte ganz genau, damit ich auch zuhause mir in Zukunft Schokoshake selber machen kann. Hier das was die machte:

1. Einswuerfel aus Picknickbox mit (ungeschwaschenen) blossen Haenden in Cruncher tun
2. Kaffeeextrakt dazukippen
3. Vom Kunden gesagt bekommen, dass er Schokoshade haben will und kein Kaffeeshake sowie das "GRRRRR" in seinem Gesichtsausdruck uebersehen
4. Inhalt des Crunchers wegkippen
5. Nochmal Eiswuerfel aus Picknickbox mit (ungewaschenen) blossen Haenden in Cruncher tun.
6. Schokosirup dazu kippen
7. Schuelermilchtuetchen (H-Milch *kotz*) aus Kuehlrschrank nehmen und dazugeben
8. Eine Eiskugel Schokoeis dazugeben
9. Deckel auf Cruncher machen und Crunch/Mix anstellen, warten und Krach aushalten
10. Da das Eis auf der Milch und dem mitlerweile geschmolzenen Schokoeis schwimmt, wird das Eis nicht gecruncht. Zwar ist der Crunchpott durchsichtig, aber man soll dennoch bei lauefendem Cruncher den Deckel vom Cruncer abnehmen.
11. Inhalt des Crunchpotts verteilt sich auf Wand und Kuechanrichte. Auslaender grinst sich tot.
12. erfahrenere Kollegin uebernimmt. Deckel wieder drauf. Crunchpott geschuettelt und Milshake ist fertig.

Bei der Rechnung "verrechneteten" sie sich um 30 Yuan, was wir aber zum Glueck merken. Da gehen wir nicht wieder hin. 15 Meter weiter gabs einen KFC, aber das wussten wir da noch nicht. Als sich auch noch undefiniertes Verhalten in meinem Magen auftat, entschieden wir uns schnell ein Taxi zu nehmen und ins Hotel zu fahren.

Dort angekommen quoll die Lobby bereits ueber vor Deutschen. Denn der DAAD (Deutscher, Akademischer AustauschDienst, oder so aehnlich) hat alle Stipendiaten aus diesem Jahr in unser Hotel gebucht, da morgen ein Workshop vom DAAD stattfinden wird. Auch Jalda nimmt daran teil, da sie auch ein DAAD Stipendium hat.

Ich, als unabhaengiger Journalist und Raumschiffcaptain auf Deep Space Mission, konnte mir ein Bild von "der Elite Deutschlands" machen. Alles war dabei. Vom hessischen Grufti-Metaller, ueber berliner Soziologie-Kulturgeschichte-Ethnologie Studentin mit Sandalen und Nebenfach Sinologie, bis hin zum Stuttgarter Modeschnittchen in Traegershirt und Stringtanga. Gegen 15:00 war es so voll von Deutschen in der Lobby, dass ein paar Chinesen Angst bekamen, wir wuerden unseren Lebensraum wieder ausweiten. Doch das war nicht von langer Dauer, denn der Inhalt der Lobby wurde in drei Bussen zum Sommepalast gefahren.

Es war ueberraschend unkompliziert und erfrischend gut organisiert. Entweder habe in China meinen Glauben an Organisation verloren, oder die DAAD Damen machten einen guten Job. Sicherlich beides. Ich durfte zum Sommerpalast mitfahren und wir lernten eine Menge Leute kennen. Am Eingang zum Sommerpalast stellten alle Mann sich in Reih und Glied auf um durchgezaehlt zu werden. Alle ausser ich fanden das "totaaal Deutsch" und "furchtbar buerokratisch". Ich fands geil. Nach einem Jahr in China, werden sie es sicher anders sehen. Oder spaetestens wenn ihnen die erste 40 Mann starke chinesische Reisegruppe mit ihrem Bus ueber den Fuss faehrt und 3 Stunden den Eintritt blockieren weil sie die Kassiererin durchzaehlen lassen und das vier mal, weil zwischendurch ein paar auf Klo gehen (kein Witz).

Ein paar nette Leute kommen uebrigens auch nach Shanghai. Das ist gut so. Ich bekam endlich eine Gratisfuehrung von jemanden, der jetzt ein DAAD Stipendium bekommt, aber schon vorher 6 Jahre Chinesisch gelernt hat. Ich machte lediglich 15 MB Fotos vor lauter reden.

Nach der Fahrt gingen wir mit ein paar neuen Bekanntschaften essen in einem Open-Air-Restaurant, so wie ich sie nicht kannte aus Shanghai. Es sah zwar etwas ranzig aus, aber hatte eine sehr angenehme athomspahere. Das Essen war aber nicht so lecker wie in anderen Chinesischen Restaurants. Dafuer tranken wir jeder drei Liter Bier. Ich bekam auch ein bisschen Durchfall und so gingen wir nach hause.

Die Fotos gibt es hier. Neuerdings in einer tollen Thumbnail Gallery!

PS: Der Server mit den Fotos ist seid zwei Tagen nicht mehr online, da ich beim Versuch ein Gallerieservlet zu installieren Java und den Tomcat updaten musste und mir dabei ein kleines Malheur passiert ist. Es ist halt nicht so einfach Virtuelle Machinen und Webserver aus einem Pekinger Hotelzimmer zu updaten.


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