Nach unserer Reise nach Peking fiel ich zurueck in die Rolle des Piano-Mannes. Red nix, versteh nix und kann nur vier Tasten auf meinem Computer tippen: Die Pfeiltasten zum The Need for Speed – Underground spielen.

Doch dann kamen die neuen Deutschen, die genauso wie ich am Austauschprogram teilnehmen. Bei uns wohnten Robert und Erik. Miterlerweile sind sie wieder ausgezogen. Sie wohnen jetzt ein paar hundert Meter entfernt in einer grossen Wohnung mit vier Zimmern und Aquarium.

Heute wollte ich meinen Studentenausweise stempeln lassen. Dafuer braucht man vorher einen Zettel auf dem unser Name steht und ein anderer, runder Stempel muss, da ja in unserem Studentenausweis unser Name nur drei Mal mit Foto plus Lebensversicherungsnummer eingetragen ist. Das Buero ist auf dem Kampus in der Stadt. Also planten wir eine Reise in die Stadt.

Nachdem wir ein paar Stuendchen unsere Bahnkarten gesucht haben, fuhren wir auch schon los. In der Uni war die Hoelle los, da alle Auslaender die Chinesisch lernen wollen sich heute anmelden mussten. Zwecksdessen wird die Uni fuer einen Tag zu einem riesigem Imatrikulations-Amt umgebaut und vom Gaertner bis zum Bueroangestellten werden ausschliesslich Neulinge verarbeitet. Das klappt aber eigentlich ziemlich gut und sollte bei uns an der TUB auch eingefuehrt werden, wenn ich an die endlosen Schlangen am Ima-Amt denke. Nach einigem durchfragen half man uns dennoch unbuerokratisch und unkompliziert. Man erkannte uns, zog uns an den langen Schlangen vorbei und gab uns die Stempel ohne langem Formulareausfuellen. Der Gedanke dagegen an den Rueckmeldehickhack mit/ohne Semesterticket und Ueberweisung an der TUB lies mir meine spaerliche Rueckenbehaarung zu Berge stehen.

HolzeisenbahnAls wir fertig waren, verliessen wir den Campus. Dabei erkannten wir wie ernst unsere Uni es mit Umweltschutz meint; Die Atomkraftwerkforschung und die Umweltforschung sind im selben Gebauede untergebracht. Sie muessen dicke Freunde sein. 🙂

Darauf mussten wir erstmal Kaeskuchen und Tiramisu essen.

Ich unterhalte Kunden und Angestellte der BankDann ging Jalda einen Bankaccount eroeffnen. Mir war langweilig, weil man in China furchtbar viel reden und ausfuellen muss um ein Konto zu eroeffnen. Dafuer kostet es nur 1,5 Euro mit Karte. Auf dem grossen Einheitschreibtisch hatten alle Angestellten die Kunden bedienten einen Stiftehalter mit zwei Stiften und einer Brille drinn stehen. Denn so mancher Kunde von der China Bank of Commerce kann sich vielleicht keine Brille leisten. Oder der Kunde kippt evtl. ploetzlich von kurzsichtig zu weitsichtig um. Ich probierte die Brille ein wenig aus. Niemand ausser Jalda schaemte sich.

Danach fuhren wir zu einem Reisebuero. Dort sagte man uns, man koennen uns leider nicht bedienen, da wir Auslaender seien. Ich fand das ziemlich scheisse, doch sie gaben uns eine weitere Adresse wo wir es mal probieren sollten. In einem dieser Reisebueros hatte eine uns bekannte Amerikanerin asiatischer Herkunft bereits eine Reise nach Hainan gebucht, sodass da nichts schief gehen konnte. Tat es aber. “Ihnen fehlen Schlitzaugen, die noetige Staatsangehoerigkeit sowie Sprachkenntnis. Fuer Sie gibt es ein Extrareisebuero 500 km von hier!” (frei uebersetzt, die Red.). Ich war sauer^2. Aber es half nichts. Sie hatten Weisung Auslaendern keine Reisen zu verkaufen. Nach einem Jahr in China, in dem ich sehr haeufig die Privilegien eines Auslaenders genossen habe und stets sehr gut und hilfsbereits behandelt wurde, war heute leider ein Tag an dem bemerkten musste, dass ich als Auslaender nicht nur willkommen bin. Naja. 1/2 so schlimm. Dann kaufen wir eben keine Reise. Selber schuld.

Sicherheit geht vor!
Danach gingen wir Pizza essen. Ich nahm Eistee mit gratis Refill. Ich trank drei Becher. Beim vierten bekam ich Magengrummeln und musste schnell eine Notevakuierung einleiten. Die Oertlichkeiten des Restaurants waren gut gepflegt. Ich rollte dennoch eine ganze Klopapierrolle aus meinen eisernen Reserven fachmaennisch aus. Den Thron als Beispiel handwerklichen Geschicks und Hingabe hielt ich mit meinem Handy auf einem Foto fest. Das mag abstossend anmuten, ist aber in Wahrheit eine Borderline-Erfahrung fuer den Leser und soll als Kunst verstanden werden.

Jalda ging sich Sandalen suchen (in Laeden). Ich persoenlich mag Einkaufengehen nicht sehr, solang es sich nicht um Essbares handelt. In der Regel setze ich meine Studie ueber chinesische Spielzeugabteilungen fort, waerend meine Freunde Anziehsachen ankucken. Eine weitere Blitzttacke aus der Magengegend zwang mich jedoch meine Strategie des Shoppen-Gehen-Verweigerns zu aendern. Neben mir, am Nachbarpinkelbecken stand jemand, der selten Auslaender zu Gesicht bekam. Und er schaute ganz interessiert, was ich fuer eine Grimasse schnitt (denn ich hatte Bauchweh). Danach begann er einen Giraffenhals zu machen und mir rueber auf meinen Opal zu kucken. Ich bemerkte ihn erst sehr spaet und reagierte etwas pampig. Leider erlaubten mir meinen rudimentaeren Chinesischkenntnisse keine aedequate Aussage wie “kuck nich, oder ich verkaufe Deinen Schniepel als Angelkoeder!”. Ich fragte ihn daher nur, ob er ein Problem habe. Er verneinte natuerlich und widmete sich wieder seinem eigenen Kleinod. Das war mir noch nie irgendwo auf der Welt passiert. Nichtmal in Amerika. China ist wirklich das neue Land der unbegrenzten Moeglichkeiten.

Wir fuhren nach hause und ich dachte “wieder nix geschafft heute”…. so wie immer

Die Karaoke-Fee
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Categories: China

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