Schabby's Blog
Reserve Orbital Defence Commander

Heute machten wir Sightseeing auf die chinesische Art und Weise:

  1. rein in den Laden,
  2. 5 Minuten kucken,
  3. Nippes kaufen,
  4. raus aus dem Laden,
  5. Abfahrt!

Dafuer fuhren wir nochmal zum Qiananmen Platz, wo ein Busunternehmen Fahrten zur grossen Mauer anbietet. Fuer 50Yuan pro Nase waren wir dabei. Wir fuhren ca. 1 1/2 Stunden mit dem Bus. An der Mauer angekommen, hatten wir 1 1/4 Stunden, was leider gerade mal reichte um ein paar Treppchen auf der grossen Mauer abzulaufen und ein paar Fotos zu schiessen. Ich waere sehr gerne laenger geblieben, weil mir die Mauer bislang am besten gefiel von den Sehenswuerdigkeiten, die ich bislang gesehen hatte. Insbesondere angesichts dessen was danach kam. Es war aetzend voll. Es war ein Wunder, dass die Mauer unter den vielen Chinesen plus den dicken Auslaendern nicht zusammenbrach. 500 Meter weiter auf der Mauer war niemand mehr. Dort war es so leer, da alle Touristen nur 1 1/4 Stunden Zeit hatten und genau an der selben Stelle wieder umdrehten.

Bereits im Bus lernten wir ein Paerchen von Chinesenischen Graduates kennen in unserem Alter. Obwohl unser Chinesisch mager ist und ihr Englisch auch nicht so super war, konnten wir uns die ganze Zeit unterhalten. Was ich besonders abgefahren fand war, dass sie uns Fragen stellten und ein angeregtes Gespraech aufrecht erhielten. Das schier unmoegliche war aber, dass sie ebenfalls beide Informatik studierten. Er faehrt in einem Monat fuer drei Jahre nach Gelsenkirchen und sie bleib hier um bei NEC Java und C# zu programmieren.

Ich hatte innerlich schon vor Wochen die Hoffnung aufgegeben mehr Studenten zu finden als die ich schon kannte mit denen wir unkramfig Zeit verbringen konnten, denn an unserer Uni ist das groesste Problem fuer uns, dass unsere Mitstudis sehr jung sind. Eine gewoehnliche Konversation mit neuen Chinesischen Bekanntschaften erforderte leider bisher immer diese Saetze:

  • "Ja, Audi ist neben Mercedes, BMW und VW auch eine deutsche Firma"
  • "Doch, in Deutschland ist es okay, den Teller nicht leer zu essen"
  • "Ja, wir trinken gerne und viel Bier"
  • "Der Name Ballack sagt mir was, aber ich stecke nicht so in Fussball"
  • "Richtig, wir essen mehr Kartoffeln als Reis"

Zum Glueck war es diesesmal ueberhaupt nicht so (nur ein bisschen). Wir gingen am Abend zusammen essen bei uns in der naehe, da sie ein paar Hochbahnstationen weiter wohnten.

Nach der Mauergeschichte fuhren wir zu einem Grab. Leider habe ich ein wenig den Ueberblick verloren ueber die Chinesischen Kaiser, obwohl die Chin. Geschichte bei weitem nicht so verknotete und verwuehlt ist wie die Europaische. Ich merke mir die drei goldenen K's der chinesischen Geschichte: Kaiser, Kriege, Konkurbienen. Dazu kommen Eunuchen. Die kann ich mir besonders gut merken, da wir frueher in unserer guten Waldorfsprachgestaltung folgenden Spruch aufsagten (unter anderen):

Du sollst nicht Eunuchen versuchen!

Oder so aehnlich. Erst heute weiss ich, was man uns schon damals mit auf den Weg gegeben wollte.

In den Graebern lagerte man die Kaiser, Kaiserinn sowie jede Menge Schmuck und nuetzliche Hausgegenstaende ein. Aehnlich wie in Aegypten, wo man fuer das Nachleben des Kaisers sorgte, wenn dieser als Zombie wieder aufersteht. Die Gegenstaende waren aber kaum Originale, da viele Sachen nach Taiwan verschifft wurden, kurz bevor die Kommunisten an die Macht kamen. Wir hatten bei der ersten Grabanlage wieder eine Stunde Zeit. Zeit genug um die Namenschildchen zu lesen.

Danach ging es zu einer zweiten Grabstaette. Dort konnten wir sogar die unterirdische Grabkammer besichtigen. Aber auch wieder kam leider wenig Stimmung auf, da man vor 1500 Jahren wohl kaum Stahlbeton giessen und Eisentreppen bauen konnte. Wir rannten hier durch. Genauso wie Lara Croft ihrerzeit. Fuer die naechste Tomb Raider Version werde ich den Entwicklern schreiben, dass sie neben Monstern und boesen Viechern noch Chineische Touristenmassen einbauen soll, durch die sie sich mit ihren langen Beinen den Weg bahnen muss. Das wuerde einen aktuellen Zeitbezug herstellen und in China sicher grossen Anklang finden.

Alles in allem dauerte die Tour 8 Stunden. War aber sehr zu empfehlen.


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