Schabby's Blog
Reserve Orbital Defence Commander

Heute haben die China Nationalday Ferien angefangen. Genauso wie letztes Jahr, ist der Begriff "Ferien" in diesem Zusammenhang für unser Verständnis etwas daneben, denn drei Tage der Woche sind wirklich frei und die restlichen werden am nächsten Wochendende nachgeholt. Aber diesesmal ohne uns. Wir machen nämlich Klischeeurlaub. D.h. eine Woche lang Sommer, Sand und Sonnenbrand! Die Arbeiterklasse soll von mir aus die christlichen Feiertage zum Schuften nutzen. Ich dagegen bin Katholik und mir sind meine Feiertage heilig. Auch wenn es die anderer Länder sind.

Jalda und ich verspüren dieses Jahr am Nationalfeiertag nur mässig Lust China zu feiern. Da aber auch die restlichen 99999998 Chinesen lieber weg fahren, als endlose Militärparaden und winkende Politiker im Fernsehen anzuschauen, können Jalda und ich nicht innerhalb Chinas Urlaub machen. An allen Orten die interessant sind in China tummeln sich zu viele einheiminsche Touristen. Allein in dem Bahnhof von unserem Stadtteil in dem man von der Hochbahn in die U-Bahn umsteigt waren so viele Leute, dass ich mir nicht sicher war ob vorne kostenlose Formel 1 Tickets verschenkt wurden. Als Ausweg bleibt da nur das "Ausland".

Und so entschieden wir uns nach längerem Hin und Her mit Suicide Airlinesfür eine Woche auf die Philippinen zu fahren um unsere Hintern am blauen Meer mit Palmen zu braten und aus angebohrten Kokosnüssen mit Strohhalmen und Papierschirmchen eisgekühlte Kokosmilch mit einem Schuss Seeräuberrum zu trinken. Montag fliegen wir los. Zwei Tage verbringen wir in Manila und dann fahren wir weitern nach Puerto Galera. Wir nehmen wahrscheinlich keine Computer mit, daher ist es möglich, dass es keine Blogeinträge aus den Philippinen gibt. Vielleicht schaff ich es noch ein kleines Bilderuploadservlet zu schreiben, sodass wir aus nem Internetcafe unsere Bilder hochladen koennen. Dienstag Abend sind wir wieder zurück.

Anwsers to Probably Asked Questions:

  • Nein, Bali liegt nicht auf den Philippinen.
  • Nein, wir sind auch nicht die Wallerts.

Heute haben wir die letzten Besorgungen erledigt. Dafür fuhren wir erst in die Stadt um die Flugtickets abzuholen und uns zu vergerwissern, dass man als Deutscher kein Touristenvisa braucht. Auf dem Weg dorthin war die U-Bahn mal wieder so überfüllt. Ich stelle mir vor, dass die Arche Noha ein bisschen das Flair einer überfüllten Shanghaier U-Bahn hatte.

In der Nanjing Lu, im Gebäude des Ritz Carlton entdeckten wir einen Laden, der all unsere Hoffnungen auf ein konsumentenfreundliches China für Ausländer wieder aufleben liess. Es war so als hätte Maggi, Dr. Oetker, Katjes und Kraft eine Filiale eröffnet. Der absolute Knüller war jedoch die Käsetheke. Ich mag zwar kein Käse (ausser auf italienischem Essen) aber die Faszination eine ganze Ladenreihe für vergammelte Milch in China zu finden war gross.

Für den in Mitteleuropa wohnenden Leser mag das hier öde anmuten, aber wenn man seid 1 1/8 Jahren kein dunkles Brot mehr gegessen hat, kommt man sich in dem Laden vor wie ein fünf jähriges Kind, das Weihnachten und Geburtstag zusammen feiert.

Die Referenzpreise sind zwar die aus dem Spar Markt am Käthe Kollwitz Platz in Prenzlauer Berg, aber für eine Tiefkühlpizza und ein Kölln Müsli in Shanghai muss einem schon ein paar Yuan wert sein.

Wir hatten leider nicht genug Geld dabei, sonst hätten wir den Laden leer gekauft und nach MinHang verschift. Nun brauchen wir keine Care-Pakete mehr mit Vollkornbrot-Backmischung von unseren Eltern. Leider versäumten wir nachzuschauen ob es dort Puddingpulver gibt, denn das ist bislang die knappeste Resource in Shanghai.

Hier lecker Süssigkeiten. Sie haben sogar meine favourites: Tappsi-Bären! Von denen habe ich früher so viele gegessen, dass ich eine Magenspühlung machen musste.

Sogar Milka ist im Angebot. Eine Marke die ich China schon abgeschrieben habe (nagut, ich war auch noch nicht im Metro).

Schaut Euch diese prächtige Auswahl an Nudelsaucen an! Sie haben sogar Pesto. Nun müssen wir (fast) nie wieder unseren Cocktailmixer zum Tomatenpürieren missbrauchen.

Und hier die Käsetheke. Zwar wortlos schön, aber macht die Sache nicht leckerer. Der Rest ist aber super.


... willkommen auf meiner Seite!

Da unten rechts in die Ecke ist ein kleiner Counter gequetscht. Der zählt wie viele Leute sich in Abständen von 12 Stunden meine Seite anschauen. So ein Ding braucht man eigentlich nur für sein Ego und um zu wissen ob überhaupt irgendjemand diesen Käse liest oder ob man seine literatischen Fähigkeiten doch lieber in Sandwichrezepte investieren sollte (wie urpsrünglich geplant vom Autor).


Wie Ihr ja alle wisst, bin ich eine Streberleiche. Oder auch Geek, wie man es euphemistisch formuliert. Denn ich gehe in der Regel zu 8:00 Vorlesungen.

Das war nicht immer so, aber seid dem ich der einzige Blonde unter Millionen bin falle ich auch auf wenn ich nicht da bin. Also rolle ich morgens aus dem Bett in Richtung Hörsaal. Zum Glück bin ich bin aber nicht der einzige Geek hierzulande. Neben mir sitzen 1000 Chinesen und 3 Deutsche. Jan, Jalda und Ralf. Es können auch mehr gewesen sein, aber das ist meinem übernächtigten Tunnelblick entgangen. In diesem Semester habe ich drei Vorlesungen um 8:00. Und zwar jeweils Operating Systems. Um dem Studentenschwund vorzubeugen wurden heute eine Namensliste eingeführt, mit Hilfe derer alle in der Pause noch nicht erschienenen Studenten ermittelt werden. Wenn man 1/3 der Vorlesungen verpasst, wird man nicht zur Klausur zugelassen. Mit dieser 1/3 Regel kenne ich mich gut aus. Denn als ich noch in den Kindergarten ging, musste man 1/3 seiner Kohlrabikotze essen, da man sonst im Zwergenhaus spielen musste - der Isolationshaft unserer Einheit, da dort nur Holzkloetzchen und Strickpuppen zum Zeitvertreib bereitstanden. Unsere Namen wurden aber nicht aufgerufen, da wir eigentlich immer da sind und ausserdem fast die eizigen sind, die auf die Fragen des Professors antworten. Wenn auch in meinem Fall nicht immer richtig.

Der Operating Systems Kurs gefällt mir sehr gut. Der Prof. ist gut, das Buch ist gut und die Hausaufgaben machen Spass. Wenn die Vorlesungen blos nicht so früh morgens wären...

Unsere Chinesischen Klassenkameraden haben deutlich mehr Stunden als wir im Semester und dem entsprechend konvergiert ihre Freizeit exponentiell gegen Null. In vielen Fällen sogar gegen minus Unendlich. Man hat in der Regel den ganzen Vormittag Unterricht um 10 bis 12 Kurse abzuhalten. Dann kommen Hausaufgaben und Projekte dazu. Das Erlenen einer Fremdsprache, das in China als Karrieremuss gilt wird von der verbleibenden Freizeit abgeknapst. In einem mir bekannten Fall sind das fuer Deutsch an Wochentag von 18:00 bis 20:00 zwei Stunden. Zusätlich sollte man sich in sog. Associtations engagieren um seinen Punktstand aufzubessern. Associations sind Vereine die meist sportliche Aktivitäten betreiben. Aber auch ein paar musischer Natur sind zu finden. In das Punktesystem fliessen Kopfnoten, Zimmer aufgeraeumt, Zimmer nett dekoriert, ausserordentliche Aktivitaeten (Partei) oder soziale Projekte usw. ein.

Die hohe Stundenzahl kommt auch daher im Fach Informatik zustande, da die Jiao Tong Universität eine elite Uni in China ist. Wer hier Computer Science studiert hat, darf sich in China zur Creme de la Creme zählen. Es soll also nicht der Anschein erweckt werden, unsere Chinesischen Komilitonen würden ihre Laufbahn als Gängelung empfinden. Für viele wie auch für uns ist es ein Privileg an dieser Uni zu sein wir gehen daher mit entsprechender Motivation an an die Kurse ran, auch wenn der Geist morgens um 8:00 williger ist als der rare Fleisch.

Wer da noch an Hausaufgaben denkt ist entweder ein Genie oder Austauschstudent mit nur fuenf Kursen so wie wir. Klaro, dass unsere chinesischen Klassenkameraden bis spät in die Nacht Hausaufgaben machen und Bücher lesen und dann am nächsten Tag keinen Bleistift mehr halten können wärend sie ihr Frühstück (ein eigener Blogbeitrag wert) futtern. Jeder sog. "Gammelstudent" bei uns in Deutschland würde beim Anblick dieser Arbeitsmoral Bindehautentzündung bekommen.

Manchmal müssen wir Deutschen (TU-Berliner und Furtwanger) aber auch mal schön Pause machen. Z.B. wenn der Prof. gerade einen komplizierten Begriff nochmal auf Chinesisch erklärt oder eine reguläre Pause stattfindet (jede Stunde). Dann bleibt uns nichts anderes übrig als vorbildlich Freizeitgestaltung im kleinen Zeitrahmen zu demonstrieren. Dann machen Andreas und ich Spässecken mit dem Selbstauslöser, oder falten Papierschwäne nach Bastelanleitungen aus Computer Science Overview Büchern (siehe unten). Ralf bildetet sich interdisziplinär fort (oben) und Mathias und Pascal "arbeiten" am Computer.


Dachte ich mir und warf meine alten Puma-Schuhe in den Mülleimer. Okay, damals wusste ich noch nicht, dass ich etwas gutes tue, denn niemand konnte ahnen, dass der Müllmann so grossen Gefallen an meinen 2,5 Jahren alten, stinkenden und ausgelatschten Snikern hat. Hatte er aber und seid dem trägt er sie stolz und aufrecht. Dabei stehen sie im garnicht, denn er ist ca. 65 Jahre alt und wäscht sich nach dem Pinkeln nicht die Hände wie ich immer beobachten muss, wenn er sich posierend hinter den Baum mit dem nur 8 cm dicken Stamm "versteckt". Ausserdem sind es Mädchenschuhe. Meinten zumindest Tobias und Jan als ich sie damals in Berlin fuer 90 Euro erstant. Interessanter Weise widersprachen damals die Mädchen. Aber jetzt finde ich auch, dass sie an dem Methusalem sehr weiblich wirken. Immerhin passen sie zu seinem Blaumann.

Ich entdeckte den Skandal, als Mathias, Andreas und ich beim Crusty Burger (so nennen wir einen privaten Burgerladen, da er fast ausschliesslich knusprige Chickenburger im Angebot hat) sass um die Use Cases unseres Projekts für Object Oriented Programming zu besprechen. Mathias, in Geistesgegenwärtigkeit, zog sofort seinen Fotoapparat und schoss mehrmals gezielt auf die Manifestation Chinesischer Wiederverwertungslogig. Mathias trägt seinen Fotoapparat immer am Halfter und zieht schneller als sein Schatten.


Heute gibt es keinen Blogeintrag, denn heute ist der 13. September. Das Fest der Enthaltsamkeit und Naechstenliebe. Aus diesem Anlass haben wir ganz in unserer Nerdtradition eine kleine Daddelrunde veranstaltet wegen der ich auch keine Zeit habe einen vernuenftigen Beitrag zu schreiben. Ich schleppte meine 5 Kilo Machine zu Mathias'/Pascals/Nils' WG plus Perepherie. Dort angekommen musste ich aber erstmal ein wenig Star Wars - The Revenge of the Sith kucken um zu verschnaufen.

Frueher war es so, dass man auf LAN Parties erstmal stundenlang das Netzwerk einrichten musste. Ihr erinnerte Euch sicher noch an die BNC Kabel, die angeblich nicht geknickt werden durften, weil sonst der Strom nicht mehr um die Ecken fliessen konnte. Jeder hatte in seinem Rechner (den er von seinen Eltern im Kleinbus mit Monitor herangekarrt bekommen hat) eine Netzwerkkarte, an die ein T-artiges Anschlussstueck geschraubt wurde. Jeder Rechner musste so miteinander verbunden werden, ohne dass es einen Kreis gab. Als endlich alle Leute Ihre Rechner aufgebaut hatten (unter der difizielen Voraussetzung dass niemand einem auf den Monitor kucken konnte um bei C&C - Der Tiberiumkonflikt auch ja keine Nachteile zu haben) und die Netzwerkkabel verlegt waren in einer Laenge unter 30 Metern (denn sonst gab es eine Art Echo des eigenen Signals im Kabel). Dann fragte jemand "Hey Leute, wer von Euch hat eigentlich die Endwiderstaende mitgebracht?" und ein schmerzhaftes Stoehnen ging durch den Raum, der ein ehemaliges Kinderzimmer war und nun als Daddelhoelle diente. Natuerlich hatte niemand an die beiden Endwiderstaende gedacht, die bei einem oldschool Ethernet nicht fehlen duerfen. Die Endwiderstaende bei einem Ethernet zu vergessen ist ungefaehr so wie in einem Freibad die Badehose zu vergessen: nicht gut. Besonders verhasst waren bei mir die Kollegen, die in dieser Situation nach McGywer-Manier erzaehlten, dass Ihr Vater gesagt habe, man koenne auch einfach die Ader des BNC Kabels mit der Alu-Isolierung ueber ein Zweimarkstueck kurzschliessen um so den selben Effekt wie ein Endwiderstand zu erhalten. Obwohl bei jeder LAN Party die auf der ich war die Endwiderstaende fehlten, haben wir dennoch nie den Zweimarkstuecktrick auspobiert. Wenn die LAN-Parties bei mir zuhause ausgetragen wurden, musste ich kurzerhand die Endwiderstaende von dem Netzwerk meines Vaters abschrauben, der aber meist trotz angesichts unserer verzweifelten Situation nicht sehr angetan war. Gluecklicher Weise dauerten LAN Parties nicht laenger als ein Wochenende oder die Sommerferien.

Aber das sind olle Kamellen und in Zeiten von Wireless LANs mit DHCP faehigem Router Schnee der Neunziger. Und so daddelten wir heute Abend schon bald nach meiner Ankuft ein paar Taktzyklen Warcraft 3. Um genau zu sein 38 Minuten, denn dann stellte ich meine bedingungslose Kapitulation aus. Die Orcs und Elfen setzen mir arg mit Drachen und Bogenschuetzen von Sueden her zu und zerlegten meine erste Reihe von Wachtuermen in ihre atomaren Elementarteilchen. In der zweiten Angriffswelle kamen mir die Menschen gefuehrt von Mathias zur Hilfe, waerend Jan im Norden dem ersten Computergegner mit Schuetzenwagen und Trollen die Basis platt stampfte. Aber es half alles nichts. Mir ging erst das Gold aus, dann das Holz und dann starb mein Held auch noch wie die Fliegen. Drei Mal musste ich ihn unter Zuhilfenahme von jeder Menge spiritueller Energie, Gold und dem Tempel der Helden wiederbeleben. Mein Held, ein Zwerg mit zwei Haemmern so gross sind wie Muelltonnen, erreichte nur mit Muehe die vierte Erfahrungsstufe.

Ploetzlich kam Pascal auf die Idee Hausaufgaben machen zu muessen, obwohl diese erst zwei Tage ueberfaellig sind. Dazu musste er an seinen Rechner und die WLAN Party war zu Ende. Ich spielte noch ein Dreiviertelstuendchen Prince of Persia, aber ich scheiterte bereits am Endgegner im Tutoriallevel. Pascal meinte, ich wuerde wie ein Maedchen spielen und versuchte es selbst und scheiterte ebenfalls an der leicht bekleideten Dame mit den zwei scharfen Saebeln. Links ein Foto von ihr in Action. Mein Computer wurde wiedermal dabei so heiss, dass er sich durch die Tischplatte gluehte. Daher packten wir ein und Jan und ich gingen nach Hause. Feierabend.