Schabby's Blog
Reserve Orbital Defence Commander

Ausser dass ich ein gratis Fruehstueck vom DAAD ausgegeben bekam, begann der Tag scheisse. Hier sind meine guten Gruende schlechte Laune zu haben:

  • Webserver kaputt
  • Java-Program kaputt
  • ersten Symptome einer Erkaeltung (ich kaputt)
  • Jalda auf Fortbildung (Beziehung kaputt)
  • House Cleaning Service kam ins Zimmer als ich auf dem Klo sass (Morgenandacht kaputt)

Bis 15:00 boxte ich mich daher mit meinem Computer in Göttingen auf dem die Bilder liegen. Mit der PuTTY Shell in der Linken und smart FTP in der Rechten prügelte ich so lange auf meine 134.76.80.200 ein bis sie nachgab. Das Resultat kann sich sehen lassen. Und zwar in Form einer thumbnail Gallerie und einem Versionsprung des Tomcat von 4.0.x auf 5.x.

Um am Abend sagen zu können man hätte etwas unternommen und um mein Gewissen zu beruhigen, fuhr ich um 15:30 in die Stadt. Auf dem Weg dorthin gab ich ein paar Deutschen Urlaubern noch ein paar schlechte Tipps, da ich es selber nicht besser wusste. Hinzu kam, dass ich ausversehen eine Station zu früh ausstieg, da ich Wuxingmen mit Wuchengmen verwechselte. Mein Ziel war die Einkaufsmeile Pekings, in dessen Nebenstrasse man Skorpione, Schnecken, Grashüpfer und andere Kostbarkeiten auf Stäbchen fritiert feil bietet. Den Tipp hatte ich von meinem Vater, aber ich kannte bereits ein paar wunderbare Impressionen vom vorwienach besten englischsprachigen Shanghaiblog der uns bekannten Galaxie: Behind The Wall, welches Freunde von mir waehrend Ihrer Shanghaizeit zusammentrugen.

Ich fand einen Dönerstand in einer Nebenstrasse, der scheinbar für den Gelegenheitsdeutschen gemacht war. Der Spiess drehte sich zwar, aber ob es Lammfleisch oder Grosshirnrinde war, konnte ich auch aus zwei Meter Entfernung nicht ausmachen. Ich machte ein Foto. Der Dönerverkäufer schaute mich traurig an. Sein Geschäft schien bei weitem am schlechtesten zu laufen in der Strasse und nun machte ich mich auch noch mit einem Foto über ihn lustig. Ich kaufte einen Döner aus Mitleid. Zumindest dachte ich, ich würde einen Döner kaufen. Was ich bekam war eine Art Zwergenschultüte aus Reisteig mit einem Radius an der höchsten Stelle von 3 cm. Das ganze Ding war leider so verkümmert wie ein Kinderdöner vor dem Bulemietherapiezentrum in Cottbus (vor der Wende). Es gab keine Tomate und auch keine Würzung. Nur die Basis: Salat und Gurkengeraspeltes. Ich sagte dem Verkäufer, sein Döner wäre aber echt lecker, denn die Vokabel "aussergewöhnlich" habe ich noch nicht gelernt.

So richtig in Kauflaune geraten, erhandelte ich eine Maotasche fuer 50 Yuan (5 Euro) an einem Stand. Ich folgte Marcos berühmter Last Man Standing Strategie: Du überlegst Dir einen Preis, natürlich schön billig und sagst diesen dem Verkäufer mit dem entschlossensten Gesichtsausdruck den Du nach Waldorfschul-Achtklassspiel und Zwölftklassspiel aufbringen kannst. Da ich beim ersten Mal Bauer und beim zweiten Mal vom Krieg gebrochenen Vater spielte, war da nicht viel zu machen. Dass ich Student sei half da schon mehr. Er began bei 120, ging runter auf 102 gleich sofort, als er merkte, dass mein chinesischer Wortschatz die Drei Worte Marke überschritt. Ich sagte ihm 50 und blieb dabei. Nach keinen drei Minuten war die Tasche mein. Das war viel zu einfach, ich zahlte also eindeutig zu viel. Das ärgerte mich natürlich tierisch.

Etwas weiter ging ich in eine Spielhalle und machte ein Foto. In der Spielhalle standen die wildesten Ballermachinen mit Plastikgewehren und Formel 1 Cockpits. Sofort kam leider der Besitzer an und sagte, dass man hier keine Fotos machen dürfe. Klar, da ging ich wieder raus. Ausserdem hatten sie kein Monkey Island und auch kein Transport Tycoon, sodass diese Hallen eh unter meiner Würde waren.

Als ich um die Ecke bog, verkaufte ein anderes Geschäft genau die selbe Tasche die ich ein paar Minuten vorher bereits gekauft hatte. Das ist üblich in China, weil das Produktspektrum für Souvenirartikel ähnlich überschaubar ist wie der Sold eines Zivildienstleistenden. Ich sagte dem Verkäufer 30 Yuan. Er lachte. Ich nicht. Denn ich dachte ganz angestrengt an die Feldarbeit, dann an den Krieg und wie er meine Familie zurrüttet hatte. Plötzlich sprang er um auf ein ziemlich gutes Englisch. Ich erzählte ihm, dass ich bereits eine Tasche hätte, die ich für 50 Yuan dort hinten gekauft habe. Er meinte natürlich ich wäre bekloppt, warum ich jetzt noch eine zweite Tasche bräuchte und warum er sie mir billiger verkaufen sollte als dort hinten. Ich sagte, weil es mir nicht mehr wert ist. Das war eine ehrliche Antwort und ich fühlte mich gut. Er hielt mich nun für absolut bescheuert glaube ich, denn so eine Waldorfschülerantwort bekommt man als Verkäufer in China sicher nicht alle Tage. Nach längere m Hin und Her ging er runter auf 35 und wurde langsam pampig. Die 50 cent soll er haben, dachte ich arrogant und streichelte über meine Spendierhosen.

Ein paar Ecken weiter stiess ich auf einen anderen Markt an dem Tiere fritiert werden, die unser Schöpfer dafür sicher nicht vorgesehen hat. Man verbot mir wieder Fotos zu machen. heimlich versuchte ich trotzdem welche zu machen, denn als Raumschiff Captain auf Deep Space Mission gibt man nicht kleinbei. Ich versuchte den Verkäufern klar zu machen, dass ich ein Foto zur Verifikation bräuchte, da ich dieses nach Deutschland schicke um von einem Zoologen verifizieren zu lassen, dass dem Lebewesen, dem gerade eine Holznadel zum Hintern rein und zum Mund wieder raus kommt, auch keine zu keiner bedrohten Tierart gehöre. Die Sprachbarriere ist aber für diese Zwecke leider noch zu hoch und so liessen manche Verkäufer mich machen. Als Zeichen guten Willens kaufte ich fritierte Bananen. Das sah noch am christlichsten aus. Dann noch schnell einen Schokoshake von McDonalds zum nachspuelen als sie mich nicht mehr sahen.

Ich fuhr zurück und erzählte Jalda, dass ich den ganzen Tag Peking an den urigsten Stellen erkundet hätte und Bauern auf den Reisfeldern bei der Ernte geholfen hätte. Sie glaubte mir fast. Doch dann wollte sie die Fotos sehen und ich musste alles gestehen. Inklusive des ausserdiätplanmässigen Schokoshakes und beider Taschen. "Und wozu brauchen wir zwei von diesen Taschen?">:| fragt sie. "Wir verschenken eine!" :) erwiederte ich. "An wen denn?". "K.A., vielleicht an Deinen Bruder?" :( "Der wollte schon das Lenin T-Shirt nicht haben" :|. "Dann vielleicht an Jan, ihm haben wir zum Geburtstag mal ein Fidel - halt durch! T-Shirt geschenkt..." <:( "... dass er nur noch zum schlafen trägt." -.- Wir haben bis jetzt noch keine Verwendung. Aber Mao lacht so freundlich auf den Taschen. Vielleicht verkaufe ich sie in Deutschland dreimal so teuer weiter. Wir assen lecker Abendbrot in einem koreanischen Restaurant in dem man einen Grill auf den Tisch gestellt bekommt. Auf den Grill wird Fleisch gelegt, das man brutzelt. Es kam Grillstimmung auf. Alle paar Minuten wird das Rost gewechselt, um das Krebsrisiko zu minimieren. Das kannte ich noch nicht. Dafuer gibts derbe Credits, dicke Skills und fetten Respekt an die crew aus dem koreanischen Restaurant. Japanisch Happa Happa und Koreanisch Mampfi Mampfi konkurieren zur Zeit in meiner Gunst auf dem selben Tabellenplatz in meiner kulinarischen Championsleague.


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